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Aufstockung Bestandsdach · die Statik in 6 Schritten

Wie der Bauingenieur prüft, ob ein bestehendes Dach eine Aufstockung trägt. Holzbalkendecke, Bestandstragwerk, Auflagerlasten und Eurocode-Nachweis. Mit Beispielrechnung Holz-Aufstockung und Hinweisen zu Bauantrag und Brandschutz.

Aufstockung Bestandsdach · die Statik kommt zuerst

Die Aufstockung ist eine der profitabelsten Bauformen im Bestand. Ohne Grundstücks-Erweiterung entsteht zusätzlicher Wohnraum, oft mit besserer Sonnenlage und neuem Grundriss. Die zentrale Frage entscheidet schon vor der ersten Skizze: trägt das Bestandsbauwerk die zusätzliche Last? Diese Anleitung beschreibt, wie der Bauingenieur die Antwort findet und welche Konstruktion in welcher Reserve-Situation passt.

Was die Statik ermittelt

Die Aufstockungs-Statik beantwortet drei Kernfragen:

  • Welche Reserven hat die vorhandene Tragstruktur in der Vertikallastabtragung?
  • Welche horizontale Aussteifung benötigt der erweiterte Gesamtbau?
  • Welche Verstärkungen sind erforderlich, damit die Aufstockung in der gewählten Bauweise möglich ist?

Die sechs Schritte

  1. Bestandsaufnahme der Tragstruktur — Vermessung, Sondierung, Bestandsplan.
  2. Bestandslasten ermitteln — Eigengewichte, Auflagerreaktionen pro Achse.
  3. Reserven berechnen — Differenz zulässig zu tatsächlich.
  4. Aufstockungs-Konzept wählen — Holz, Stahl, Mauerwerk.
  5. Statisches System rechnen — Eurocode 5/3/6 mit Lastkombinationen.
  6. Bauantrag und Brandschutz — § 65 BauO NRW, Gebäudeklasse, Konzept.

Bauweisen im Vergleich

Die Wahl der Aufstockungs-Bauweise folgt der vorhandenen Reserve und dem Anspruch an Schallschutz und Bauzeit.

BauweiseEigenlastBauzeitSchallschutzReserve nötig
Holz-Rahmenbau60–110 kg/m²6–10 Wochenmittelgering
Holz-Massivbau (CLT/BSH)140–200 kg/m²8–14 Wochenhochmittel
Stahl-Modul80–140 kg/m²6–10 Wochenmittelgering
Mauerwerk320–480 kg/m²16–24 Wochensehr hochhoch

Die Holz-Rahmenbauweise ist 2026 die häufigste Aufstockungs-Bauform im Rheinland — niedrige Last, hohe Vorfertigung, gute Dämmwerte und ein passender Preis-Korridor.

Holzbalkendecke des Bestands — die häufige Engstelle

In 1950er- bis 1970er-Bauten ist die oberste Geschossdecke häufig eine Holzbalkendecke mit Spannweiten zwischen 4 und 5 Metern. Eine Aufstockung legt zusätzliche Lasten auf die Auflagerpunkte dieser Decke. Häufige Maßnahmen zur Ertüchtigung:

  • Holz-Beton-Verbund — eine 6–8 cm dicke Aufbeton-Schicht, durch Schubverbinder mit der Holzbalkenlage verbunden. Erhöht die Tragfähigkeit um 60 bis 100 Prozent.
  • Doppel-Stegung — zusätzliche Holzbalken parallel zum Bestand, gemeinsam mit Verbindungsblechen.
  • Stahl-Trapezprofil-Aufdoppelung — historische Holzdecken erhalten unterseitig ein Stahl-Trapezprofil. Bauteilstärke gering, Statik wirksam.

Beispielrechnung Holz-Aufstockung Köln-Süd

Reihenhaus 1968, 7 × 9 m Außenmaße, vorhandene Geschossdecke aus Stahlbeton 16 cm, Außenwände Kalksandstein 24 cm. Geplante Aufstockung: 1 Vollgeschoss in Holz-Rahmenbauweise, 63 m² Wohnfläche.

PositionWert
Eigenlast Aufstockung Holz-Rahmen95 kg/m²
Resultierende Vertikallast≈ 6 kN/m²
Bestand Wand-Druckreserve18 kN/m (lineare Auflagerlast)
Statik-Ergebnisträgt ohne zusätzliche Verstärkung
Aussteifung horizontalüber Holz-Scheibe + Bestand-Wandscheiben
Schallschutz GeschossdeckeDIN 4109 Anforderung erfüllbar
Bauantrag§ 65 BauO NRW, Gebäudeklasse GK 2 → GK 3
BrandschutzF30-B für tragende Bauteile, Sonderbauschutz nicht erforderlich
Bauphase8 Wochen reine Bauzeit nach Vorfertigung

Die Aufstockung ist statisch und bauphysikalisch ohne zusätzliche Verstärkung umsetzbar. Die Genehmigung läuft über das vereinfachte Verfahren mit Mitwirkung des AKNW-Partner-Architekten für die LP 4.

Brandschutz nach Gebäudeklasse

Mit der Aufstockung steigt häufig die Gebäudeklasse. Die wichtigsten Schwellen in NRW:

GebäudeklasseHöhenkriterium (OK Fußboden über Geländeoberfläche)Anforderung tragende Bauteile
GK 1freistehendes Wohngebäude bis 2 WohnungenF30-B (feuerhemmend)
GK 2sonstige Gebäude bis 7 mF30-B
GK 3bis 7 m, mehr als 2 NEF30-B
GK 4bis 13 mF60-B mit nichtbrennbaren Schichten
GK 5über 13 mF90-AB

Bei einer Aufstockung von GK 2 nach GK 3 sind die Anforderungen an die tragenden Bauteile identisch. Beim Sprung zu GK 4 verändert sich der Schutzanspruch deutlich.

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