Effizienzhaus 40, 55, 70 — die Stufe entscheidet über Förderung und Kosten
Wer eine umfassende Sanierung plant, stößt schnell auf die Effizienzhaus-Stufen: EH 85, 70, 55, 40 — dazu die Klassen EE und NH. Diese Stufe legt fest, wie hoch die KfW-Förderung ausfällt und wie viel die Sanierung kostet. Diese Anleitung ordnet, was die Zahlen bedeuten, welche Stufe sich beim Altbau rechnet und wo die höchste Stufe eine teure Sackgasse ist.
Was die Zahl bedeutet
Die Effizienzhaus-Zahl ist ein Vergleichswert. Sie sagt, wie viel Primärenergie das sanierte Gebäude im Verhältnis zu einem gesetzlich definierten Referenzhaus verbraucht:
| Stufe | Primärenergiebedarf | Einordnung |
|---|---|---|
| Effizienzhaus 85 | 85 % der Referenz | Einstieg, ohne Tilgungszuschuss |
| Effizienzhaus 70 | 70 % der Referenz | solide Sanierung, ohne Tilgungszuschuss |
| Effizienzhaus 55 | 55 % der Referenz | wirtschaftlicher Sweet Spot |
| Effizienzhaus 40 | 40 % der Referenz | Höchststufe, aufwendig |
Dazu kommen zwei Klassen: die EE-Klasse (mindestens 65 Prozent erneuerbare Wärme, also faktisch Wärmepumpe) und die NH-Klasse (Nachhaltigkeit mit QNG-Siegel). Die EE-Klasse ist seit dem 21. Juli 2026 keine Bonus-Stufe mehr, sondern Fördervoraussetzung — gefördert wird jede Stufe nur noch als „EE“-Variante. Zusätzliche Prozentpunkte bringt allein die NH-Klasse.
Wie viel Förderung an jeder Stufe hängt
Der Weg zum Effizienzhaus läuft über KfW 261: einen Förderkredit mit Tilgungszuschuss. Der Kredit liegt bei bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit; Bemessungsgrundlage ist die Anzahl der Wohneinheiten nach der Sanierung. Der Tilgungszuschuss — der Teil, den Sie nicht zurückzahlen — steigt mit der Stufe:
| Stufe | Tilgungszuschuss | Bei 150.000 € Kredit |
|---|---|---|
| Effizienzhaus 85 EE | 0 % | 0 € |
| Effizienzhaus 70 EE | 0 % | 0 € |
| Effizienzhaus 55 EE | 5 % | 7.500 € |
| Effizienzhaus 40 EE | 10 % | 15.000 € |
Für Baudenkmale gibt es die Sonderstufe Effizienzhaus Denkmal EE mit 5 Prozent. Erhöhen lässt sich der Zuschuss über die NH-Klasse (+ 5 Prozentpunkte), den Worst-Performing-Building-Bonus (+ 10 Prozentpunkte, ab EH 70 EE) und die serielle Sanierung (+ 15 Prozentpunkte, nur EH 55 EE/NH und EH 40 EE/NH). Diese drei Boni sind untereinander kumulierbar.
Rechtsstand: Diese Sätze folgen dem KfW-Merkblatt 261 (Stand 07/2026) auf Grundlage der BEG-WG-Richtlinie vom 17.07.2026 und gelten seit dem 21.07.2026. Für Anträge, die bis zum 20.07.2026 gestellt wurden, gilt die vorherige Fassung mit ihren höheren Grundsätzen des Tilgungszuschusses, dem damaligen EE-Bonus und einem Kreditbetrag von 120.000 Euro je Wohneinheit.
Die genauen Sätze bestätigt der gelistete Energieeffizienz-Experte im Förderantrag. Entscheidend ist die Logik: Jede Stufe kostet mehr an Maßnahmen, bringt aber auch mehr Zuschuss — die Frage ist, ob das eine das andere trägt.
Welche Stufe sich rechnet
Effizienzhaus 55 EE ist bei den meisten Altbauten der wirtschaftliche Sweet Spot. Es ist mit einer gedämmten Hülle plus Wärmepumpe erreichbar — beides Maßnahmen, die sich ohnehin lohnen — und es ist die erste Stufe, die überhaupt einen Tilgungszuschuss trägt. Der Sprung von EH 70 EE auf EH 55 EE bringt 5 Prozentpunkte, bei 150.000 Euro Kredit also 7.500 Euro. Auf EH 70 EE und EH 85 EE bleibt dagegen nur die Zinsverbilligung des Kredits, ohne jeden Zuschuss — was diese beiden Stufen als Förderziel weitgehend entwertet.
Der Sprung von EH 55 auf EH 40 ist der teure. Effizienzhaus 40 verlangt in der Regel eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung, sehr hohe Dämmstärken und oft die Erneuerung fast der gesamten Hülle inklusive Fenster. Bei vielen Bestandsgebäuden übersteigen diese Mehrkosten die zusätzlichen 7.500 Euro Förderung deutlich — 5 Prozentpunkte auf 150.000 Euro Kredit. Effizienzhaus 40 lohnt dann, wenn die Substanz es ohne Sondermaßnahmen hergibt oder ein Neubau-naher Umbau ohnehin geplant ist.
Wo die Reihenfolge dieser Schritte hingehört, zeigt unsere Anleitung zur richtigen Sanierungsreihenfolge.
Beispielrechnung: EH 55 EE, Einfamilienhaus Baujahr 1975
Einfamilienhaus, 140 m², Sanierung zum Effizienzhaus 55 EE mit Dämmung von Dach, Fassade und Kellerdecke, neuen Fenstern und Wärmepumpe.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Sanierungskosten gesamt (Richtwert) | 150.000 Euro brutto |
| KfW-261-Förderkredit | bis 150.000 Euro je Wohneinheit |
| Tilgungszuschuss EH 55 EE: 5 % × 150.000 Euro | −7.500 Euro |
| Zusätzliche BAFA-Förderung Einzelmaßnahmen | je nach Reihenfolge |
| Effektive Belastung nach Tilgungszuschuss | ≈ 142.500 Euro |
Kommt ein Bonus dazu, ändert sich das Bild deutlich: Mit dem Worst-Performing-Building-Bonus wären es 5 + 10 = 15 Prozent, also 22.500 Euro, und die effektive Belastung läge bei 127.500 Euro. Ob das Gebäude als Worst-Performing-Building gilt, bestätigt der Energieeffizienz-Experte.
Die genaue Aufschlüsselung — welche Maßnahme über BAFA, welche über KfW läuft, damit sich die Töpfe nicht ausschließen — liefert der Sanierungsfahrplan. Die vollständige KfW-261-Mechanik steht in unserer Beispielrechnung zu KfW 261.
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